Montag, 28. November 2011

Mambo statt Jambo

Der aufmerksame Blog-Leser wird sicher bemerkt haben, dass sie der Blog-Name geändert hat.
Damit hat es folgendes auf sich:
Seit ich Kiswahili lerne weiß ich, dass "Jambo" nicht die korrekte Begrüßung in Kenia ist. Übersetzt bedeutet es nämlich einfach nur: Sorge" und nicht wie gedacht "hallo".
Korrekt sagt man zu einer Person "Hujambo" und diese antwortet dann "Sijambo", in der Mehrzahl heißt es "Hamjambo" und als Antwort "Hatujambo". Übersetzt wird das mit: "Hast du keine Sorge?" Antwort: "Ich habe keine Sorge". Klingt kompliziert?!
Das fanden einige Touristen wohl auch und so haben die Leute einfach angefangen, die (durchaus bedeutsame, wie ich finde) Vorsilbe wegzulassen. So entstand das bekannte "Jambo", das ich als noch Unwissende auch für meinen Blognamen verwendet hatte.

Bisher habe ich mir gedacht, dass ich das trotzdem einfach so stehen lassen kann und es sicher keiner so genau nimmt mit der korrekten Begrüßung...bis ich zum Seminar an der Küste war. Am laufenden Band wird man dort als Weißer mit "Jambo" begrüßt. Wir haben natürlich korrekt mit "Sijambo" geantwortet, aber das wurde garnicht registriert. Die korrekten Formen, kennt man dort offenbar garnicht mehr.
Einige andere und ich haben uns darüber sehr geärgert und am Ende garnicht mehr zurück gegrüßt- wollten wir doch nicht als naive Touristen betrachtet werden.
Diese Erkenntnisse haben mich nun dazu bewegt den Namen zu ändern. Damit es nicht ganz so anders wird, habe ich mich für "Mambo" entschieden, was hauptsächlich von Jugendlichen und Junggebliebenen verwendet wird und meist mit "poa" (=cool) beantwortet wird.

Mittwoch, 23. November 2011

Abschied


Am Wochenenden hatten wir noch einmal Besuch aus Nairobi. Es war sehr schön und versüßte uns die letzten Tage in Misyani. Am Sonntag gab es für die Kinder eine kleine Abschiedsfeier. Es gab auf dem Feuer gebackenen Kuchen und jeder durfte eine Wunderkerze abbrennen und sich dabei etwas wünschen. Zum Schluss bekam jeder ein kleines Geschenk und die Kinder sangen ein Lied für uns. Wir fanden den Abschied sehr gelungen und die Kinder machten auch einen sehr zufriedenen Eindruck. 

Als wir am anderen Tag unsere Taschen packten und alles, was im Heim bleiben sollte sorgfältig in Plastiktüten hüllten, standen plötzlich all unsere Kinder in den Zimmern. Vorher hatten sie sich nie hineingetraut. Man spürte förmlich, dass sie uns nicht so richtig gehen lassen wollten, aber auch dass sie neugierig auf die Fotos an den Wänden und die Sachen, die wir unseren Zimmern verstecken waren.

Nichtsdestotrotz mussten wir Misyani bis Anfang Januar  "auf Wiedersehen" sagen und die Kinder, die uns bis zum Tor begleiteten, zurücklassen.

Samstag, 19. November 2011

Ende gut, alles gut?

Die letzten 2 Wochen in Misyani  für dieses Schuljahr und auch für dieses Jahr, waren angebrochen. Ab dem 22.11. werden wir auf dem Weg an die Küste sein, wo unser erstes Evaluationsseminar von CIVS stattfinden wird.Anschließend wird die Schule schon geschlossen sein und somit auch dass Small Home. So langsam überlegen wir also, wie wir unseren Abschied von den Kindern gestalten wollen.
Am 08.11. begann dann eine kleine Odyssee. Tabea hatte nicht mehr nur (wie seit über einer Woche) Durchfall, sondern musste sich übergeben und hatte Fieber. Höchste Zeit, ein Krankenhaus aufzusuchen. 
Das hatte ich Ende November auch schon hinter mir- leider ohne klare Diagnose, dafür mit einem großen Paket Antibiotika, Durchfall-Stopper und irgendwelcher anderen Pillen. Das Krankenhaus konnte ich ihr also nicht empfehlen. Also begleitete unsere Mum sie in ein privates Krankenhaus im mit dem Motorrad-Taxi 20 Minuten entfernten Kangundo. Gerade waren sie abgefahren, meldete sich mein Verdauungstrakt wieder. 
Bauchschmerzen und Durchfall waren schlagartig wieder da. Aber es nützte ja nichts: Die Kinder waren alle zu hause, weil die 8.-Klässler ihre Abschlussprüfungen hatten und außer mir war niemand da. Also kämpfte ich mich mit vielen Unterbrechungen durch den Tag. 

Am Nachmittag beschloss ich Tabea anzurufen und zu fragen, ob alles ok ist und ob sie wieder nach hause kommen...das Handy klingelte im Haus. Mum hatte ihr Telefon dabei und meinte, dass sie gleich nach hause kommen...das war dann ca. 1,5h später. Tabea teilte mir mit, dass sie die ganze Palette an Tropenkrankheiten auf einmal gebucht hat: Typhus, Würmer und evtl. Malaria. Letzteres wurde auf Verdacht, die ersten beiden mit Begründung behandelt. Der Ausflug hat nicht etwa, wie man es von Kenianischen Ärzten erwarten würde, so lange gedauert, weil sie so viel warten musste, sondern weil sie mehrere Infusionen bekam, währenddessen unterzuckerte und dadurch eine Art Schock erlitt der sie frieren und übermäßig zittern ließ, sodass man sie aus dem Zimmer raus in die Sonne tragen musste und ihr Cola zu trinken gab. Tabea wollte aber nicht dort bleiben (alleine schon, weil sie ihr Handy nicht dabei hatte und die Eltern sich natürlich Sorgen machten) und kam eben dann gegen 18 Uhr wieder hier an. Am nächsten Tag sollte sie zu einer weiteren Infusion noch einmal hin und auf Grund der Beschreibung des fabelhaften Zustandes dieser Klinik beschloss ich am nächsten Tag mitzukommen und die wahre Ursache für meinen Durchfall herauszufinden. 

So traten wir gemeinsam die Reise mit dem Pikipiki nach Kangundo an (schlagendes Argument beim Preisaushandeln: "We are sick so don`t discuss and take us there for 150. Please."). Dort bekam sie ihre Infusion, ich eine echte Diagnose. Das Antibiotikum konnte nicht wirken, weil es sich um eine Protozoeninfektion handelte. Einzellige Parasiten, die sich nur von speziellen Medikamenten verjagen lassen...achja...und nebenbei hatte ich mir auch noch die typischste aller Krankheiten in Afrika eingefangen: Malaria. Eigentlich hätte ich darauf kommen können. Die abendlichen kopfschmerzen die mich eine Woche lang plagten und an einem Tag schon morgens da waren und bis zum Abend fast unerträglich wurden, samt Gelenkschmerzen führte ich auf zu wenig Schlaf, zu wenig Wasser und andere Bagatellen zurück.Malaria habe ich garnicht in Betracht gezogen-schließlich hatte ich kein Fieber. Nunja. Es war eben da, also wurde es behandelt. 
Ich wurde also in Tabeas Nachbarbett verfrachtet und bekam gleich drei Infusionen. Eine mit dem Medikament gegen die Protozoen und Buscopan gegen Bauchschmerzen, eine mit Zuckerlösung damit nicht die nächste Patienten unterzuckert, und eine mit Kochsalzlösung. Das dauerte gute 3 Stunden in denen Arzt und Laborassistenten keine Hemmungen hatten zu fragen, ob der Freund in Deutschland wirklich der einzige ist, den man auf der ganzen Welt haben möchte (auf die Antwort "ja" erwiderte einer: "That`s a problem". Ich fand das Problem war da gerade ein ganz anderes). Irgendwann stellte ich mich schlafend und schlief dann tatsächlich ein. 

Die Nebenwirkung des Medikamentes war, dass die Ohren sausen und bevor das nicht eintrite, wirke es nicht-so hat man es mir gesagt. Es wirkte ganz offensichtlich. Da es Tabea und mir nun abwechselnd hunde-elend ging und keine von uns beiden mehr in der Lage war, mit den Kindern umzugehen, beschlossen wir uns für einige Tage in Nairobi auszukurieren.
Da wir mit im Kinderheim wohnen, war das hier nämlich nicht möglich. Sobald man einen Fuß vor die Tür setzte um auf die Toilette zu gehen (oder zu rennen), hat man 2-3 Kinder bei sich, die Fragen stellen. Eigentlich ja lieb, dass sie sich Sorgen machen, aber nicht sehr hilfreich. Auch ist von morgens 5.30 bis abends 22.00 Uhr von Ruhe im Haus keine Spur. Da es keine Zimmerdecken gibt, bekommt man alles was passiert mit. Zum Glück gibt es das CIVS-hostel in dem wir uns dann von Samstag bis Dienstag erholten. 

Dienstag, 1. November 2011

Es fliegt, krabbelt, kriecht...und stinkt

Seit es regnet beglücken uns immer mehr Tiere in unserem Heim. 
Am Abend gibt es handgroße Motten, endlos viele fliegende Käfer, die nach einigen Stunden die Flügel verlieren und dann sterben, eine Art Käfer die sich so benimmt wie Maikäfer und auch sehr ähnlich aussieht und vereinzelt auch andere größere und kleinere Käfer. Wenn man am Morgen das Zimmer kehrt, hat man einen ganzen Käferfriedhof vor dem Besen liegen. In diesen Tagen, braucht man das Moskitonetz also nicht vorwiegend für Moskitos, sondern um sicherzugehen, dass die dicken Käfer einen nachts nicht anknabbern! (Spaß)

Kriechend oder krabbelnd bewegen sich unsere Lieblingshaustiere fort: Die Ratten. Schon länger haben wir den Eindruck, dass es immer mehr werden...eines Tages gab es einen Beweis dafür:
Tabea war für 5 Tage an der Küste und kam zurück. Am Abend wollte sie ins Bett gehen und schlug ihre Bettdecke zurück. Da gab es einen lauten Schrei und kurz darauf wusste ich auch warum! In ihrem Bett, unter der Decke hatte eine Rattenmutter beschlossen ihre Babies zur Welt zu bringen. Nackt und rosa lagen sie dort in alldem, was bei einer Geburt noch so anfällt... 
Während unsere Jungs die Jungratten ihres Lebens beraubten und Tabea und Mum das Bett wieder benutzbar machten, gab es in meinem Zimmer eine weitere Entdeckung. Ich hatte mich gerade hingelegt, da kam so eine freche Ratte an und begann unter meinem Bett an irgendetwas zu knabbern. Schläge auf den Bettrahmen konnten sie nicht irritieren. Also verließ ich mein Zimmer um irgendetwas zu holen womit ich ihr den garaus machen konnte (eigentlich bin ich auch bei Ratten nicht mordlustig-aber irgendwann ist das Maß in dem ich meinen Wohnraum mit ihnen teilen möchte voll!). Als ich mein Zimmer wieder betrat sah ich etwas, das ich so kurios fand, dass ich gleich ein Foto machen musste: 


Dieses Tier war für mein Verständnis riesig und viel zu haarig! Da nebenan noch Ratten-Trouble war, beschloss ich todesmutig das Wesen selbst aus meinem Zimmer zu verjagen und ins Bett zu gehen. Am nächsten Tag zeigte ich Mum das Foto. Ihre Reaktion: "Did you ill it?!" ich sagte "no" und sie  "It is dangerous! It can bite you. You should have killed it! Next time you see one, call Kilonzo to kill it!". 
Zum Glück habe ich seitdem keine mehr gesehen. 

In den folgenden Tagen sind auch in meinem Zimmer Rattenbabies aufgetaucht. Sie hatten ein Nest unter dem Dach, aus dem sie herausgefallen kamen. Auf und neben meinen Kleiderschrank. Nicht sehr schön.


Dieses Wesen fand ich einen schönen Sonntags morgens auf meinem Schrank.
Wir haben dann mehrere Versuche gestartet die Ratten mit einem Gift aus der Apotheke zu beseitigen. Einige haben das auch nicht überlebt. Aber manche sind dagegen scheinbar resistent.
So gingen wir etwas radikaler vor, streuten ein Gift, das auch Menschen töten kann (für umgerechnet 10 Cent im Supermarkt an der Bedienungstheke erhältlich) und das wir am kommenden Morgen, bevor die Kinder aufgestanden waren in der Toilette entsorgt haben. Das tötete dann wirklich alle. Jetzt gab es nur noch ein Problem: Der Gestank der toten Ratten! 
Es hat ein paar Tage gedauert, bis wir alle gefunden haben. Die Vermutung, dass zwischen Tabeas und meinem Zimmer (die Wand ist innen hohl) auch tote Ratten liegen, brachte uns dazu meine Hälfte der Wand zu entfernen. Dahinter befand sich ein überdimensionales Rattennest. Der Hohlraum war komplett mit Holzspänen, Stroh, abgefressenen Maiskolben, Plastiktüten, anderen Essensresten und Rattenkot ausgestopft. Leichen haben wir nicht gefunden, aber der Gestank war trotzdem kaum erträglich. 

Zum Glück hatte ich an diesem Tag ein Desinfektionsmittel für die Badezimmerreinigung gekauft! Damit habe ich dann das Holzgerüst, dass die beiden Sperrholz-Wand-Hälften trägt begossen und auch den Boden geschrubbt, denn da ist das ganze Rattennest bei der Reinigung gelandet. Um den Geruch zu überdecken habe ich einige Nächte Räucherkerzen verbrannt und tagsüber die Tür offen gelassen (sehr zur Freude der Hühner offenbar...die saßen dann nämlich immer mal wieder unter, oder neben meinem Bett).
So richtig verflogen ist er jedoch erstmal nicht. Im nächsten Schulquartal dann vielleicht-wenn die Ratten in den Ferien nicht zurückkommen.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Not macht erfinderisch

Nun, ich will ganz und garnicht sagen, dass wir hier Not leiden! Dennoch vermisst man nach 8 Wochen fern der Heimat doch so dies und das. 
Wer mich kennt weiß, dass ich Milch und alles was daraus gemacht wird liebe. Sei es der Quark zum Frühstück, die Milch im Müsli, der Joghurt nach dem Essen oder das Käsebrot mit einem Glas trockenen Rotwein. 
Milch haben wir hier! Wenn auch in begrenzten Mengen. Joghurt kann man im Supermarkt auch kaufen, aber wir haben keinen Kühlschrank - also fällt das aus. Und Quark kennt man ja sowieso außerhalb von Deutschland nur in Österreich und der Schweiz (glaube ich zumindest). 
Den säuerlichen Geschmack von Joghurt ersetze ich manchmal durch "Mala", oder "Maziwa lala", was manche aus der Generation meiner Eltern noch als "Dickmilch" kennen. Es ist ganz einfach sauer gewordene Milch. 

Aber was ich aus dieser sauergewordenen Milch auch gerne mache ist Quark! 

Mala

Die Dickmilch wurde in einem Topf auf dem Feuer erwärmt, bis sich die sogenannte "Käsematte" von der Molke getrennt hat

Dann werden Molke und Käsematte durch eine Stoffwindel, die in einem Sieb liegt voneinander  getrennt.


Nachdem man die Windel zu einem Bündel zusammengenommen und die Molke herausgedrückt hat, bleibt frischer, vollfetter Quark übrig

 


Auf ähnliche Weise haben wir auch schon Frischkäse gemacht: Statt Dickmilch haben wir frische Milch benutzt und damit sie ausflockt, haben wir Zitronensaft hinzugefügt. Mit etwas Salz schmeckt das ganze dann großartig zum Sukuma Wiki! 

Die Milch-Gelüste wissen wir also schonmal zu stillen. Aber was jeder Deutsche im Ausland am meisten vermisst, ist natürlich Brot. Kein Problem! Kaufen wir einfach Roggenmehl, machen einen Sauerteig und backen ein Brot. Ach nein. Mist. Wir haben garkeinen Backofen. 
Und Roggenmehl habe ich hier auch noch keins gesehen. Aber selbst wenn es welches gäbe-ohne Backofen kann man kein Brot backen. Oder doch? Na klar! 

Ruhe in Frieden, lieber Hefeteig und werde schön groß und locker!
Das sieht doch schonmal garnicht schlecht aus!


Das ist unser Backofen. Ein großer Topf (zu dem es einen passenden Deckel gibt - das ist hier nicht selbstverständlich), der mit Reisnägeln ausgelegt ist, damit die Backform später nicht den Boden berührt. So ist überall rund um die Backform heiße Luft, wodurch das Brot gleichmäßig durchgebacken wird.
So sieht es dann aus, wenn das Brot "im Ofen" ist. Danach kommt dann der Deckel drauf...


...und das Ganze wird auf die Feuerstelle gestellt.



Und nach etwas mehr als einer Stunde, konnten wir dieses tatsächlich durchgebackene und wohlschmeckende Brot anschneiden (und natürlich sofort verkosten...auch wenn das angeblich Bauchweh macht)

Für den ersten Versuch haben wir erstmal eine Mischung aus Weizenvollkornmehl, Weizenkleie, Weizenkeimen und Weizenvollkornschrot benutzt, die man hier in einer Packung als "Brown Bread Flour" kaufen kann. Aber in einem Eimerchen mit Deckel blubbert gerade schon ein Sauerteig vor sich hin, der wohl morgen in unserem Topf-Ofen zubereitet werden wird. Ich bin gespannt wie Sauerteigbrot aus einer Mischung von Roggen, Finger-Hirse, Vollkornweizen und Amaranth schmeckt und ob es gelingt. Bisher haben alle Produktionsversuche von Käse, Quark und Brot funktioniert! Am Ende eröffnen wir hier noch eine Bäckerei :-) 
Auf jeden Fall bekommen unsere Kinder demnächst mal einen Kuchen. Aber: Pole pole! (=langsam, langsam) Eins nach dem anderen...morgen früh gibt es jedenfalls frisch gebackenes Brot und vielleicht ein bischen Quark mit Marmelade dazu. 

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Hakuna Matatu

Das bedeutet "Kein Matatatu", also "Kein Bus" und beschreibt die Situation, in der ich mich am vergangenen Mittwochabend befand. 
Als ich mich in Embu von Rike und Moritz trennte, um den Heimweg nach Misyani anzutreten, war ich wirklich guter Dinge mein Ziel noch am selben Abend zu erreichen. Die beiden begleiteten mich noch zum Matatuparkplatz und Moritz half mir den Preis auszuhandeln, der mir für eine einstündige Fahrt trotzdem wir ihn heruntergehandelt hatten, noch etwas zu hoch vorkam...da stank was zum Himmel, es war nur noch nicht klar was es war. 
Der Busticketverkäufer (und sowas hab ich hier noch selten gesehen, zumal er nichteinmal mitfuhr) versicherte uns, dass es ein "Express-Matatu" sei, dass nur eine Stunde bis nach Thika brauche (dort musste ich umsteigen). Es halte unterwegs nicht an und sei deswegen schneller...10 Minuten nach Fahrtantritt machten wir den ersten Stop um 2 Kinder aufzusammeln. Ich dachte es seien vielleicht die Kinder des Fahrers und der Stop zähle nicht wirklich.
5 Minten später hielten wir wieder. Leute stiegen ein und aus und so ging das ganze weiter. 
Nach gut 1,5h waren wir in Karatina. Den Ort kannte ich noch von unserer Anfahrt nach Meru. 
Der Conducter (die Person, die hinten mitfährt, Geld einsammelt und dem Fahrer durch lautstarkes Klopfen gegen Metall oder Fenster mitteilt, dass er anhalten soll um jemanden ein- oder aussteigen zu lassen) sagte mir, dass ich dort aussteigen soll. 
"Aber das ist nicht Thika!", sagte ich, aber er bestand darauf, dass ich ausstieg. 
Ich sollte umsteigen und er meinte, dass er für mich zahle...so war das also.
Das Matatu in dem ich in Embu losgefahren war, hatte garnicht Thika zum Ziel, sondern Karatina- was nichtmal auf dem Weg liegt. Der Conducter gab dem nächsten Conducter das Geld für die Fahrt von Karatina bis Thika und ich stieg ein. Die beiden diskutierten lautstark und ich bekam nur mit, dass der erste Conducter für sein  Verhalten vom zweiten Conducter eine Ohrfeige bekam.  Irgendwie tat mir das garnicht so leid... Die Fahrt von Embu bis Karatina hat vermutlich wirklich nur 150 oder 100 Schilling gekostet und das, was ich zu viel bezahlt hatte, war für die Weiterfahrt von Karatina nach Thika bestimmt. Reingefallen.


Auf der Weiterfahrt kamen wir an einem Fluss vorbei, an dem fleißig geangelt wurde. Beim nächsten Stop wurden uns dann durch das Busfenster neben den üblichen Dingen wie Früchten und Gemüse, auch gebratene und rohe Fische angeboten. Zum Glück hat niemand der Passagiere einen gekauft...die rohen Exemplare waren doch sehr geruchsintensiv. 


Nach insgesamt 2,5 statt nur einer Stunde Fahrt, kam ich trotzdem recht entspannt in Thika an. Es war erst 19 Uhr, eigentlich noch garnicht spät. Dann änderte sich meine Meinung zur Situation schlagartig: Die Matatufahrer an der Station machten mir allesamt klar, dass es um diese Zeit keine sichere Verbindung mehr nach Tala gäbe. Ich könne für umgerechnet 50 € ein Taxi nehmen, was ich viel zu teuer fand. Ich sagte ich würde maximal 20 zahlen. Allerdings lachten sie mich daraufhin nur aus. Die Alternative war wohl, ein Zimmer zu nehmen und dort zu übernachten. Am nächsten Tag, würde die Reise dann sicher weitergehen. 
Der Chef eines Busunternehmens zeigte mir auch gleich ein Hotelzimmer, dass ich für ca. 4 € bekommen konnte. Es war einfach, aber es hatte ein Bett, warmes Wasser zum Duschen, war sauber und hatte sogar ein Fenster...das leider zum Busbahnhof raus ging und auch den Lärm der umliegenden Bars hineinließ,der bis morgens um 5Uhr anhielt.Um 6.00 begann wieder das tägliche Treiben am Busbahnhof und so bekam ich in Summe beinahe eine Stunde Schlaf.. Was solls. Hakuna Matatu? Hakuna Matata. 


Nach einer warmen Dusche setzte ich um 7.00 Uhr morgens ziemlich gerädert meine Reise fort. Mit einem Motorrad brachte mich der Chef des Matatuunternehmens zu einer anderen Matatu-Station. Von dort aus konnte ich dann bis Kilimambogo fahren, um noch einmal umzusteigen. 
Dann begann der nächste Geduldakt: An einem Donnerstag mit einem Matatu, in dem außer mir nur ein weiterer Passagier saß, musste ich etwas weniger als 100km zurücklegen. Eigentlich kein Problem! Außer: Wenn niemand mitfahren will...was leider der Fall war. 
In jedem Dorf warteten wir 20-30 Minuten, damit der Bus voller würde. Freitags ist in Tala immer Markttag. Da fahren viele Händler und Kunden nach Tala. Aber nicht donnerstags. 
So dauerte die Fahrt, die normalerweise in 1,5 Stunden vorbei ist, geschlagene 3,5h. 
Ich war unglaublich froh, als ich endlich in Tala angekommen war und nur noch die Strecke von Tala nach Misyani vor mir hatte. An diesem Tag störte es mich nichtmal, dass ich Pikipiki (Motorradtaxi) fahren musste! 


Als ich wieder angekommen war, habe ich mich über jedes bekannte Gesicht gefreut, dass mir begegnet ist. Ich wurde gefragt: "Umepotea wapi?" "Wo warst du? Wo bist du verloren gegangen?" "Ulishindaje?" "Wie ist es dir ergangen?" und es fühlte sich ein bischen an, wie nach hause kommen!

Sonntag, 16. Oktober 2011

Die liebe Sprache

Immer wieder fallen mir hier Eigenschaften der Sprache auf, über die ich schmunzeln muss, oder die mich beeindrucken. 
Vor kurzem habe ich Mum gefragt, wie alt der Pikipiki-Fahrer aus Misyani ist, der öfter mal vorbeischaut. Ihre Antwort war interessant: "Er ist so alt, dass er schon eine Familie haben müsste. 2-3 Kinder, die ungefähr die 4. Klasse besuchen." Zuerst habe ich es garnicht richtig verstanden. Ich dachte, sie spräche von Tatsachen. Also wartete ich ihre Ausführungen zur Familie ab um anschließend zu fragen, ob sie wisse, wie alt er tatsächlich ist. Da sie keine Zahl nannte, fragte ich nochmal nach: Hat er wirklich eine Familie? Oder sollte er eine haben? 
Die Antwort zeigte mir dann, dass man hier nicht unbedingt die Jahre zählt, sondern eher darauf schaut, was jemand schon erreicht hat, in welche Klasse er geht oder wie lange er schon an einem Platz arbeitet.

Eine weitere lustige Situation ergab sich gestern beim Reis Sortieren: Mum bat mich die Tür zu schließen, weil sie die Kälte roch. Ich fragte sie erstaunt: "You smell it?!" Ihre Antwort: "Yes, but sometimes I also feel it."
Na gut. Mal sehen wann das im Sprachkurs dran kommt. Vielleicht verstehe ich dann, warum sie die Kälte riecht. 

Das erste und wirklich interessante, was ich über die Sprache gelernt habe sind die Begrüßungen. 
Man sagt nie so etwas wie "Hallo", sondern man fragt immer "Wie geht es dir?", "Du hast keine Sorgen, oder?", "Wie bist du aufgewacht", "Wie ist es dir in den letzten Tagen ergangen?" und die Antwort ist immer positiv. Nur wenn jemand gestorben, oder unheilbar krank ist, sagt man etwas anderes. 

Ein paar Beispiele: 
Habari Gani - Welche Neuigkeiten gibt es?                                         Mzuri - Gute
Habari ya Mama - Was gibts Neues von deiner Mutter                       Mzuri - Gutes
Umeamkaje - Wie bist du erwacht?                                                         Salama - Friedlich
Ulishindaje   - Wie ist es dir in den letzten Tagen ergangen              Mzuri sana - Sehr gut
Hujambo? - Du hast keine Sorgen, oder?                                               Sijambo- Keine Sorgen

Die Jugendlichen sagen eher 

Niaje - Wie gehts ?                                                                            Poa - cool
Mambo - Abwandlung von Hujambo                                                Poa/ Fiti/ Safi- cool/fit/ sauber
Sema - Sage mir!                                                                               Poa / Fiti
Sassa! - Jetzt!                                                                                     Fiti
Stories?- Geschichten?                                                                    Wengi - Viele 

Wie man sieht, geht es einem in Kenya immer gut! Manchmal ist es etwas anstrengend zu sagen, dass es einem gut geht, obwohl man sich garnicht so fühlt. Das in Deutschland so häufig verwendete "So lala" gibt es nicht. Und da man in der Regel nicht totsterbenskrank ist, sagt man eben, es ginge einem gut. 
Und meistens fühlt man sich nach einem Spaziergang, bei dem man jedem, den man getroffen hat erzählt hat, es ginge einem sehr gut, geht es einem wirklich besser und kleine Sorgen sind wieder vergessen.